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WETTBEWERB APPLI-TECH 18

Zuchwil 2017

Projektdokumentation

ZEITGEIST                                     

1. Rang 

Bericht der Jury 

Das Gemeindehaus von Zuchwil ist ein Paradebeispiel öffentlicher Bauten aus den 50-er Jahren. Der dreigeschossige Skelettbau entspricht mit seiner Rasterfassade, Glasbausteinen und weitem Dachvorsprung sowie der unaufgeregten funktionalen Raumbildung dem Geist dieser Zeit. 

Den Verfassern gelingt es, den Charakter des Hauses mit seinen feingliedrigen Fassaden zu erhalten und gleichzeitig an die energetischen Anforderungen anzupassen. Die Analyse des Hauses arbeitet die bestehenden Qualitäten gut nachvollziehbar heraus und führt folgerichtig zu einem sehr subtilen und angemessenen Sanierungskonzept, bei dem zugunsten des Erhalts des äusseren Erscheinungsbildes auf eine Aussenwärmedämmung verzichtet wird. 

Dieser Entscheid begründet eine Folge logischer Massnahmen, die konstruktive und energetische Bedingungen zu einer räumlichen Erfindung zusammenführt, die als Innovation verstanden werden kann: Die Innendämmung aus Kalziumsilikatplatten, die auch die angrenzenden Wände sowie Boden und Decke mit einbezieht, bildet entlang der Fassaden einen friesähnlichen Rahmen. Dieser fasst die Fensterfront ein und führt sie als Raumschicht ca. 1,50 m nach innen. Es entsteht eine neue räumliche Qualität, die die bestehenden Büroräume differenziert und bereichert. Geschickt werden die energieeffiziente LED-Beleuchtung und der versenkte Kabelkanal in den Fries aus Dämmplatten integriert. Das Konzept vereinfacht zudem den Umbau, da sämtliche Sanierungsarbeiten in dem Streifen entlang der Fassade durchgeführt werden können, während die Büros weiter genutzt werden. 

Die Jury lobt ausdrücklich die Idee, dass mit der Wahl der Sanierungsmassnahme gleichzeitig auch ein innenräumlich starkes architektonisches Konzept umgesetzt wird. 

Die Subtilität im konstruktiven Entwurf setzt sich im Farbkonzept fort. Anstatt auf den typischen Farbkanon der 50-er Jahre zurückzugreifen, orientieren sich die Projektverfasser an den dezenten Grautönen eines Opel Olympia Rekord, Baujahr 1956. Nur mit wenigen Farbakzenten wird die Fassadengliederung unterstützt. Die Fassaden werden von epochenfremden Farb- und Materialschichten befreit und mit mineralischen Putzen und Farben saniert. Der Einsatz der Farben folgt der tektonischen Logik der Fassadenkonstruktion. Deren Feingliedrigkeit wird durch die Farbgebung – vertikale und horizontale Gliederungen hell, Füllungen dezent dunkler – verstärkt. Das Potenzial des Betonrasters, ein feines Spiel von Licht und Schatten an der Fassade zu erzeugen, wird in das Farbkonzept einbezogen. 

Insgesamt handelt es sich bei dem Projekt um eine sehr eigenständige Arbeit, in welcher der Spagat zwischen dem Erhalt des typischen Charakters der 50-er Jahre und energetischer Sanierung gelungen ist. Es besticht durch die Ausgewogenheit der gestalterischen und energetischen Massnahmen und seine Rücksichtnahme auf das Bestehende. Altes und Neues fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild, welches dem Bestand eine neue Qualität verleiht. «ZEITGEIST» ist somit ein vorbildliches Beispiel für die zeitgemässe Sanierung eines öffentlichen Bauwerks der 50-er Jahre. 

Pinar Gönül, Hartmut Göhler